Testbericht: Gerd Kassel


Bilder : Gerd Kassel
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HAPPY CAT LIGHT - VERPACKUNG

Der HAPPY CAT LIGHT wird als Reise-Segelboot angeboten, das - in gut transportierbare, handliche Teile zerlegt - Urlaubsreisen im Auto, im Wohnmobil, im Flugzeug oder auf Dach- und Heckgepäckträgern mitmachen soll. Dafür ist eine funktionelle, solide Verpackung zwingend notwendig. GRABNER liefert als Sonderzubehör für 220 - einen 3-teiligen Packtaschenset. Darin lassen sich alle Bootsbauteile samt Sonderzubehör wie Bugverdeck, Persenning, Luftpumpe, Sitzpolster und Sonnendach gut unter-bringen und auch tragen - am besten zu zweit. Allerdings: Die zwei 180 cm langen Packtaschen lassen sich nicht wasser- und schmutzdicht verschließen. Eine zusätzliche Plastikplane zum Einwickeln bei langem Außentransport auf Dach- oder Heckträger scheint mir notwendig.

Damit die Bootsbauteile beim langen Autotransport nicht aneinander scheuern und Schäden bekommen, ist es wichtig, scharfkantige Teile gesondert in Schutztücher o.ä. (z.B. beim Kauf in der Originalverpackung mitgelieferte, dünne Schaumstoffmatten) einzuwickeln. Das benötigt ein wenig Zeit und Geduld, erhöht aber sicher die Lebensdauer des Reisebootes.

HAPPY CAT LIGHT - TRANSPORT

Der HAPPY CAT LIGHT soll und muss als Reiseboot leicht sein. Das ist er auch. Jedenfalls unter Berücksichtigung der Tatsache, dass noch weniger Gewicht auch seine Stabilität, Funktionalität und Robustheit reduzieren würde. Mit dem notwendigen Zubehör wiegt das Segelboot ca. 80 kg. Das ist allerdings beim Transport kein Pappenstiel, sondern erfordert einen kräftigen, für dieses Gewicht zugelassenen Dach-, bzw. Heckträger. Auf unserem Campingbus-Heckfahrradträger, der für 80 kg zugelassen ist, lassen sich die 3 Packtaschen mit dem HAPPY CAT sicher ablegen und verzurren. Auch auf unserem Renault Kangoo mit einem soliden, verschraubten Handwerkerdachträger ist der Transport ein Kinderspiel. Die von Grabner vorgeschlagene Lösung des Transports in einer Dachbox scheint zwar genial, nur habe ich trotz Umschau noch keine Box mit den erforderlichen Maßen in Länge, Breite und Höhe gesehen, wo alle 3 (!) Packtaschen Platz fänden.

Da Segeln meist Team- und ein schöner Familiensport ist, sollte beim Verpacken, Verladen, Aufbauen und Segeln des HAPPY CAT die Teamarbeit als notwendige Voraussetzung eines lustvollen Umgangs mit diesem Boot erkannt werden. Wer hier mit den 3 Packsäcken und beim Aufbau allein rumwursteln muss, der wird schnell die Lust am HAPPY CAT verlieren.
Auch ist der HAPPY CAT LIGHT trotz seines geringen Gewichts kein geeignetes Reiseboot für Rücksackreisende oder Bahnfans. Für diese Zielgruppe würde ich die GRABNER-Hybridkajaks als - Handgepäck- empfehlen.

HAPPY CAT LIGHT - AUFBAU


Mir scheint, die Bauplan- und Benutzerhandbuch-Seuche fing einst im schwedischen Möbelhaus IKEA an. Man kaufte einen Schrank, bekam einen Pappkarton mit Sechskant-Imbusschlüssel und einen schlecht kopierten, kaum lesbaren Bauplan. Aber ich glaube, faltbare Boote gibt es trotzdem schon länger als faltbare Kleiderschränke. Wie dem auch sei: Der HAPPY CAT LIGHT ist optimal in sinnvolle Einzelteile zerlegt, befindet sich in 3 Pappkartons, hat eine ausführliche Aufbauanleitung und ist fast ausschließlich ohne Werkzeug und unter Verwendung des gesunden Menschenverstandes montierbar. Den Bauplan braucht man nur, wenn der Verstand beschränkt und die Vorstellung falsch ist, wie ein Luft-Segelkatamaran auszusehen und seine wichtigen Teile zu funktionieren haben.

Wir brauchen den Plan erstmals nach einer Stunde Versuch und Irrtum. Ich hasse Baupläne und immer komplizierter und dicker werdende Benutzerhandbücher, die mir von der Klobürste bis zum Videobearbeitungsprogramm alles leicht erklären wollen.

Jedenfalls habe ich zu Hause die HAPPY CAT-Aufbauanleitung zunächst mal zerlegt, dann wasserdicht verschweißt und anschließend langlebig neu zusammen gebunden. So was mache ich nur bei Schriftstücken oder Karten, von denen ich annehme, dass ich sie später an irgendeinem Strand dieser Welt öfter brauche, auch unter widrigen Umständen! Doch die Vorarbeit mit dem HAPPY CAT-Bauplan war eigentlich nicht nötig. Das Ding lässt sich wirklich leicht aufbauen. Oder lieber anders ausgedrückt: Man erkennt leicht, wie das Segelboot aufgebaut werden müsste.

Doch zwischen dem Erkennen, wie es gehen müsste und dem Tun, oder dem Versuch, es zu tun, da liegen oft Welten. Jedenfalls fanden wir die Herstellerangabe schlicht falsch, dass der HAPPY CAT für Geübte in 20 Minuten segelfertig zu montieren sei. Wir haben beim 1. Mal 2 Stunden gebraucht, beim 2. Mal nur noch 1 Stunde und beim 3. Mal wieder 2 Stunden, weil wir eine Stunde nach der Flügelmutter im Sand gesucht haben, mit der das Steuerblatt befestigt wird.

Aber ganz ehrlich: Der Aufbau enthält zwar ein paar knifflige Ecken und Kanten beim Zusammenfügen des Trampolinrahmens, ist aber ansonsten kein Kunststück. Wesentlich erleichtert wird die Sache in Teamarbeit, da an 2 Ecken oder Enden gleichzeitig gedrückt oder gezogen werden muss. Man darf die Aluteile des Trampolinrahmens beim Zusammenfügen nicht verkanten und den rechten Winkel nicht aus den Augen lassen. Das geht zu zweit leichter als allein.

Die Bootslieferung ab Grabner-Werk war weitgehend komplett - bis auf 2 Sicherungsringe an den Schwertsicherungsbolzen! Doch das mit dem Fehlen von Kleinkram wie Schrauben und Unterlegscheiben, das bin ich von IKEA gewöhnt und habe vorsichtshalber einen Kleinkram-Ersatzteilkasten für all unsere Segelboote immer im Campingbus. Ich behaupte, dass der mittelmäßig begabte Handwerker in Teamarbeit mit kooperativer Frau für den HAPPY CAT-Aufbau ohne Stress etwa eine Stunde benötigt. Das ist kurz genug für ein Segelboot-Puzzle!

HAPPY CAT LIGHT - SEGELN

Die Eigenschaften eines Segelgerätes zu testen, das erfordert ein differenziertes Vorgehen. Beim Segelsport unterscheidet man grob zwischen Schwachwind, Mittelwind, Starkwind und Sturm.

Segelbar ist jeder Wind, vorausgesetzt, die subjektiven und objektiven Voraussetzungen sind dafür gegeben. Subjektiv sind das Können und die Erfahrung des Seglers, objektiv die Geräteeigenschaften.
Nicht alle Segler und Geräte können Starkwind oder gar Sturm vertragen. Was verträgt nun der HAPPY CAT LIGHT?

 

HAPPY CAT LIGHT bei Schwachwind 1-2

Segeln bei Schwachwind ist einfach. Da zeigt sich auch der HAPPY CAT von seiner besten Seite. Mit einem Slipwagen lässt er sich auch von zwei zierlichen Frauen leicht über den Strand zum Wasser transportieren.

Er gleitet leicht an, beschleunigt erstaunlich gut, hält sauber die Spur und driftet kaum ab. Er geht superleicht durch die Wende, bei der seine größeren Kat-Brüder immer Zicken machen. Sowohl bei Wende als auch Halse erweist sich das Schlauchboot als angenehm wendig und manövrierfähig.
Gegen den Wind zu kreuzen, das ist also kein Problem und wird besonders bei Segel-Anfängern geschätzt.

Die zwei Automatik-Schwerter klappen bei unbeabsichtigter Grundberührung nach hinten ab. So kann kein Schaden am Boot entstehen. Das Großsegel lässt sich gut hochziehen, schnell bergen und um die Segellatten herum zusammenwickeln. Schön wäre noch, es gäbe im Bootszubehör einen Segelsack wie bei Surfsegeln, der das Auseinanderrollen des Segels beim Lagern und Transportieren verhindert und es schützt.

Der Baum des Großsegels ist so hoch, dass er beim Umschlagen im Wendemanöver keine Kopfbeulen bei den Seglern verursachen kann. Auch das wird bei Anfängern geschätzt.
Die Rollfock lässt sich auch bei der Fahrt leicht aus- und wieder einrollen. Auf dem Trampolin haben 2 Leute bequem Platz und im Wendemanöver auch die nötige Bewegungsfreiheit. Mit gutem Willen und einem zusätzlichen Bugverdeck - einer Vergrößerung des Trampolins nach vorne - passen auch 1-2 Kinder mit an Bord.

Der kippstabile HAPPY CAT ist daher besonders Familien zu empfehlen. Bei Leichtwind können alle Familienmitglieder leicht und gefahrlos das Segeln erlernen und das Boot im Sommer auch als superbequeme Badeinsel nutzen. Bei Wettrennen mit einem Festrumpfsegelboot belegt der HAPPY CAT allerdings stets den 2. Platz.

 

HAPPY CAT LIGHT bei Mittelwind 3-4

Segeln ist eine typische Natursportart, bei der die Ausführungsbedingungen den Launen der Natur unterworfen sind. Segeln ist ein Spiel mit dem Wind - solange nur eine sanfte Brise weht.
Das ändert sich, wenn der Wind stärker wird. Dann kann das Segelboot schnell zum Spielball von Wind und Wellen werden. Bei Windstärke 3-4 ist das noch nicht der Fall, aber der Adrenalinspiegel steigt und die Windwellen werden höher. Doch das stört den HAPPY CAT noch wenig, zumindest bezüglich möglicher Kentergefahren.

Aber sobald sich ab Windstärke 4 Schaumkronen auf den Wellenkämmen bilden, verändern sich die Segeleigenschaften. Das Boot segelt noch dahin, wo es soll, aber nicht mehr ganz so schön und elegant wie bei Leichtwind.
Der zusammengesteckte Schlauchkatamaran beginnt sich zwischen Wellenbergen und Wellentälern zu verbiegen und zu verwinden. Das ist normal für ein solches Segelgerät. Schließlich ist es ein Reiseboot, das sich in Luft auflöst und in 3 Packsäcke passt und kein schwerer, starrer Festrumpf-Katamaran, für den man einen unhandlichen Bootsanhänger braucht, mit dem man nur 80 km/h fahren darf und fleißig (Minus)Punkte in der Verkehrssünderkartei sammelt (Das weiß ich aus kostspieliger Erfahrung).

Ein Segelbootmast wird in der Regel durch 3 Stahlseil-Wanten an beiden Seiten und vorne in senkrechter Position gehalten. Bei ruhigem Wind und sanft gekräuselter Wasseroberfläche sind alle 3 Stahlseil-Wanten gleichmäßig getrimmt und gespannt. Nehmen Windstärke und Wellenhöhe zu, dann bewegt sich auch das Boot in sich und verändert die Spannungszustände der Wanten permanent zwischen straff und schlaff.
Das hat Auswirkungen auf die Besegelung. Die bei Schwachwind schön aerodynamisch ausgebeulten Bäuche des Groß- und Focksegels werfen plötzlich hässliche Falten. Das Segelprofil wird labil, der Segeldruckpunkt wandert ziellos auf der Segelfläche herum. Das führt zu unangenehmem Segelflattern. Besonders die Fock beginnt beim Segeln hart am Wind zu knattern und lässt sich nicht mehr stramm durchsetzen.

Beim Steuern wird das Boot leicht luvgierig. Man muss gegensteuern. Der Druck auf das Steuerblatt nimmt zu. Das Kunststoffseil als 3. Wante für den Mast im Vorliek der HAPPY CAT-Rollfock könnte reißen oder kaputtscheuern. Für Segeln bei starkem Wind wäre hier sicher ein Stahlseil notwendig!  

Die hier beschriebenen Veränderungen der Segeleigenschaften sind für einen Reisekatamaran mit einem -Leergewicht- von etwas über 60 kg vollkommen normal.
Das weiß auch der Hersteller und hat die Grenze der Segelbarkeit dieses Sportgeräts auf 4 BF festgelegt. Diese Grenze sollte der Besitzer eines HAPPY CAT LIGHT auch nur in Ausnahmefällen überschreiten.
Ausnahmefälle entstehen beim Segeln oft, wenn entgegen aller Wetterprognosen die Windstärke plötzlich und überraschend zunimmt. Was passiert mit dem HAPPY CAT LIGHT, wenn ich bei Gewittersturm noch meilenweit vom schützenden Heimathafen entfernt bin?

 

HAPPY CAT LIGHT - SEGELN bei Starkwind 5-7 oder gar Sturm 8-10

Ganz klar, solche Situationen sollte man mit dem HAPPY CAT LIGHT nicht provozieren oder gar freiwillig wählen. Das kann den Segler Kopf und Kragen kosten, zumindest aber den Verlust eines schönen Leicht- und Mittelwindbootes! Aber was tun, wenn`s überraschend kommt?

Zunächst mal muss dann sofort die Segelfläche verkleinert werden. Das Großsegel hat Ösen, durch die ich Seile ziehen und das untere Segelteil reffen kann. Das Segelreffen sollte man vorher schon mal bei Schwachwind geübt haben, damit es bei Starkwind auf dem Wasser auch klappt. Wenn das Großsegel-Reffen noch nicht reicht, nehme ich die Fock weg.
Das geht schnell und einfach durch die Roll-Vorrichtung. Kommt es wirklich ganz dick, dann nehme ich das Großsegel komplett weg und segle nur noch mit der Fock. Das Boot bleibt so manövrier- und steuerbar.

Nach dem Anlanden im Sturm muss man das leichte Boot sofort gegen Wegfliegen sichern. Das klingt übertrieben, ist es aber nicht. Wenn über den Lac du Salagou im Südwesten Frankreichs - unserem herrlichen Testrevier für den HAPPY CAT LIGHT - der Tramontana mit bis zu 8 Windstärken pfeift, dann hat ein LIGHT-Boot schlechte Karten. Man muss es mit Betonklötzen beschweren, damit es Bodenhaftung behält.

 

 

 

HAPPY CAT LIGHT - Resümee

Der HAPPY CAT LIGHT ist ein herrliches Leichtwind-Reiseurlaubsboot für den Dachtransport und voll familien- und anfängertauglich.

Bei Mittelwind ist es auch noch gut segelbar.

Für Starkwind und sportliche Segler ist  es eher ungeeignet.