Segeln rund Usedom und Wolin

Einlassstelle am Naturcampingplatz Lassan
Morgenkaffee
Blick auf Koserow
Strand bei Ückeritz
Klappbrücke Dziwnow
Marina Cammin
Blick auf Nowe Warpno
Wasserwanderrastplatz Rieth
Eisenbahnhubbrücke Karnin
Trackaufzeichnung

150 Seemeilen Katamaran-Wandern rund Usedom und Wolin

 

Ein Bericht von Dietmar und Petra Sch.

Die Wettervorhersage ist gut. Stabile Wetterlage mit Wind aus Nordost, 3 bis 4 Beaufort. Wir können unser Vorhaben, die Insel Usedom zu umrunden, in die Tat umsetzen. Am idyllischen Naturcamping Lassan, bauen wir unseren Happy Cat Evolution auf und beladen ihn. Vom Sturmsegel über den kleinen Benzinmotor bis zur Zeltausrüstung findet alles seinen Platz.

Am frühen Nachmittag des 15. Mai 2018 starten wir auf dem Peenestrom Richtung Wolgast. Es geht gut voran, an der Klappbrücke Wolgast müssen wir eine längere Pause einlegen als gedacht. Die Brücke öffnet ab Mitte Mai erst um 17:45 Uhr, eine Stunde später als in unserer Karte vermerkt. Nachdem wir das imposante Bauwerk durchfahren haben, nehmen wir Kurs auf den Hafen Karlshagen. Leider fängt es an zu regnen und wir müssen gegen den Wind aufkreuzen. Erst kurz vor 20 Uhr machen wir fest. Hungrig und durstig steuern wir das hübsche Restaurant an der Hafeneinfahrt mit Blick auf den Peenestrom an. Wir haben Glück – die nette Bedienung bringt uns ein gutes Essen und das verdiente Anlegebier.

Da die Kaimauer für unser flaches Gefährt sehr hoch ist, bauen wir unser Zelt in einer ruhigen Ecke am Hafen auf. Am frühen Morgen machen wir einen Rundgang durch das hübsche Ostseebad Karlshagen, das sich vom Bodden bis zum Ostseestrand erstreckt. Die Entfernung zwischen den beiden Gewässern beträgt nur gut 2 Kilometer. Wir wollen einen Blick auf den Seegang in der Ostsee werfen. Die Wellen sind trotz des anhaltenden Nordostwindes moderat, so dass wir uns auf die freie See wagen können.
Unseren Morgenkaffee genießen wir in einem Strandkorb bei der Bäckerei Wolfsteller.

Dann lösen wir die Leinen. Mit dem Boot muss die Nordspitze Usedoms mit der ehemaligen Militär-und Raketenstation Peenemünde weiträumig umfahren werden. Übrigens ist das Historisch-Technische Museum Peenemünde einen Besuch wert. Es zeigt die Geschichte der ehemaligen militärischen Versuchsanstalt, in der auch die legendäre Rakete „V2“ getestet wurde. Wegen Unreinheiten durch Kriegshinterlassenschaften ist ein weiter Abstand zum Ufer zu halten.
Im Greifswalder Bodden müssen wir noch mühselig aufkreuzen, bis wir die Südspitze der Insel Ruden erreichen. Dabei ist es abseits der Fahrrinne teilweise so flach, dass selbst unser Schwert und Ruder einige Male Grundberührung haben. Aber die Anhänge klinken zuverlässig aus, so dass nichts passiert. Nach etwa drei Stunden taucht der Strand von Karlshagen wieder auf.

Der Wind flaut etwas ab, so dass wir unseren Gennaker setzen können. In aller Beschaulichkeit ziehen die Orte Trassenheide, Zinnowitz, Zempin und Koserow und die Steilküste am Streckelsberg an uns vorüber. Die Zeit reicht nicht mehr für unseren ursprünglichen Plan, bis Swinemünde zu segeln, aber wir haben ja einen Strandkat und sind somit flexibel. Wir ziehen den Kat zwischen Ückeritz und Bansin einfach an den Strand.  Viel ist noch nicht los um diese Jahreszeit, doch für die Spaziergänger sind wir eine kleine Attraktion.  Wir werfen unseren Gaskocher an und lassen uns die Nudeln schmecken. Später wiegt uns das Wellenrauschen in den Schlaf. 

Neptun meint es weiterhin gut mit uns. Bei hohen Wellen wäre es nicht so einfach gewesen, wieder vom Ufer loszukommen. Aber so ist es kein Problem. Kurz nach dem Ablegen passieren wir die bekannten Badeorte Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck mit den markanten Seebrücken. Der Wind legt nun etwas zu und auf Halbwindkurs segeln wir an den weit in die Ostsee ragenden Molenköpfen von Swinemünde vorbei.
Die 17 Seemeilen bis zur Hafeneinfahrt von Dziwnow machen richtig Spaß. Die polnische Ostseeküste besticht mit weitläufigen Sandstränden und imposanten Steilküsten. Dziwnow (deutsch Diewenow) markiert das östliche Ende der Insel Wolin. Die Klappbrücke gibt den Weg in die polnische Boddenlandschaft frei.

Über den Camminer Bodden erreichen wir mit plötzlich stark auffrischendem Wind schnell unser heutiges Etappenziel – Kamien Pomorski (Cammin). Die Stadt besticht mit einer beeindruckenden Kulisse aus Stadtmauer, Dom und alter Burg. Leider wurde die Stadt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch Kampfhandlungen schwer zerstört. Wir lassen uns nach dem Stadtrundgang in der neu gebauten Marina ein leckeres Essen servieren und können dabei einen tollen Blick auf den Hafen und  den Camminer Bodden genießen.

Am vierten Tag unserer Reise gleiten wir mit Raumwind über die Dziwna nach Wollin. Die beiden ersten Brücken sind mit gut 12 m Durchfahrtshöhe kein Problem für uns, die dritte Brücke öffnet wochentags nur um 9 und 16 Uhr. Da das Stettiner Haff noch vor uns liegt, entscheiden wir, den Mast zu legen. Wir finden eine geeignete Stelle zum Herausziehen des Bootes an Land, denn auf dem Wasser wollen wir das Mastlegen nicht riskieren. Nach der Brückendurchfahrt richten wir den Mast wieder auf. Es dauert ein bisschen, bis alles wieder geordnet ist, dann aber nehmen wir Kurs auf das Stettiner Haff. In der Ferne sehen wir die Schornsteine von Stettin. Wir kreuzen die Schifffahrtslinie und laufen nach drei Stunden in den Neuwarper See ein. Mitten durch den See verläuft die deutsch-polnische Grenze, markiert mit schwarz-weißen Pfählen. Vorbei am deutschen Ort Altwarp und dem idyllisch auf einer Halbinsel liegenden polnischen Nowe Warpno (Neuwarp) gleiten wir bis zum südlichen Ende des Neuwarper Sees zum Wasserwanderrastplatz Rieth.

Leider empfängt uns der Ort nicht sehr freundlich. Beide Gaststätten sind geschlossen, ausschließlich die Pensionsgäste verköstigt man. Die Sanitäranlagen am kleinen Hafen sind nur mit 50-Cent-Stücken zu nutzen und zwar für jeden Toilettengang und Duschen extra. Die Gastfreundschaft wäre auf der polnischen Seite wohl besser gewesen. So gibt es wieder ein Nudelgericht aus der Tüte.

Am nächsten Morgen werden wir versöhnt, denn die Hafenmeisterin bringt uns frische Brötchen. Heute, am Samstag  vor Pfingsten, sind bei schönem Wetter und mäßigem Wind im Gegensatz zu den Vortagen einige Segelboote unterwegs. Wir queren das Kleine Haff vorbei an Ückermünde und dem Yachthafen Mönkebude. Von Ferne sieht man schon bald den Rest der ehemaligen Eisenbahnhubbrücke Karnin auftauchen. Zum Kriegsende sprengten die Deutschen die Brücke, um den Vormarsch der Roten Armee zu behindern. Das Mittelteil blieb erhalten und steht heute unter Denkmalschutz. Eine kleine Personenfähre verbindet beide Uferseiten.

Am Imbiss beim Fähranleger warten wir auf die Öffnung der Zecheriner Brücke, neben der Wolgaster Brücke die zweite Straßenverbindung vom Festland zur Insel Usedom. Im Pulk mit vielen Segelyachten passieren wir die geöffnete Brücke. Die Yachten ziehen dann in der Fahrrinne unter Motor ihren Weg, während wir gegen den Wind im Peenestrom kreuzen. Auf Höhe des malerischen Fischereihafens Rankwitz mit guter Freiluftgaststätte knickt der Peenestrom nach Nordwesten ab. Jetzt fliegen wir förmlich unserem Ausgangspunkt Lassan zu.  Mit 11,7 Knoten erreichen wir die  Rekordgeschwindigkeit für diesen Törn. Für das voll beladene Boot ein guter Wert.

 

Nach 4 ½ Tagen und 150 Seemeilen, tollen Eindrücken und viel Segelspaß sind wir wieder gut angekommen. Unser HC Evo war uns ein zuverlässiger Partner.