HAPPY CAT NEO

Let´s fetz – Segel-Abenteuer auf schwedischen Wildnis-Seen


Bericht + Fotos:
Samira Kassel

Es ist wieder soweit! Sommerferien! Die letzten Klausuren an der Uni sind geschrieben und die Ausrüstung ist eingepackt. Los geht’s!

Diesen Sommer 2015 düsen wir mit unserem Wohnwagengespann in eine ganz andere Richtung als die letzten Jahre. Nach langer Nordlandabstinenz sind wir endlich wieder gen Schweden unterwegs. Wir, damit meine ich meinen Vater, mich und unsere beiden Hündinnen Fly und Luzy.

Außerdem mit an Bord sind die beiden aufblasbaren Luftkajaks „RIVERSTAR“ und „EXPLORER 2“ der Luftbootfirma Grabner sowie eine komplette Camping- und Zeltausrüstung für 2 Personen.

Doch der allergrößte Knaller in unserem Gepäck ist die neueste Innovation der Firma Grabner, der aufblasbare Gummikatamaran Happy Cat NEO.

Dieser ist das Nachfolgemodell des Happy Cat ULTRLIGHT, der 2012 auf den Markt kam. Nachdem 2015 die Neuheit Happy Cat Evolution ein sensationeller Erfolg wurde, wollte Grabner für 2016 nun auch ein neues Modell des Happy Cat ULTRLIGHT  auf den Markt bringen. Man wollte die innovativen Ausstattungsdetails des EVOLUTION mit dem geringen Gewicht und dem kleinen Packmaß des ULTRALIGHT vereinen. Ob dies gelungen ist, werden wir nach dieser Schwedenreise wissen, denn genau dieses neue Modell befindet sich nun in unserem Gepäck.

Der NEO  ist 20 kg leichter als der EVOLUTION, hat ein 25% geringeres Packvolumen und ist 1000 € billiger. Dafür beträgt die Segelfläche nur 9 qm statt 11,5 qm und die zulässige Windstärke beträgt 4 Bft. In den kommenden 3 Wochen werden wir den Happy Cat NEO vorwärts, rückwärts, seitwärts testen und unsere Erfahrungen in einem Testbericht, sowie auf Bild- und Filmmaterial festhalten.

Im Land der 1000 Seen

Nach anderthalb Tagen Fahrt sind wir im Land der Seen, Wälder und Elche. Fantastisch! Unser erstes Ziel ist der Stora Bör in der mittelschwedischen Provinz Värmland. Es ist eine ganz spontane Idee, diesen See anzusteuern. Eigentlich wollten wir noch ein Stückchen weiter hinauf in das Seengebiet Glaskogen. Doch Pläne ändern sich bei uns schnell. Also biegen wir bereits 15 km vor dem Naturschutzgebiet Glaskogen von der E18 auf eine kleine Schotterpiste Richtung Camp Grinsby am Stora Bör ab. Wie sich herausstellt ist der 14 qkm große See mit seinen 80 Inseln optimal dafür geeignet, erste Segelerfahrungen mit dem Happy Cat Neo zu sammeln.

Nach der strapaziösen, langen Fahrt freuen sich Mensch und Tier über den Anblick des glasklaren Wassers und der grünen Wälder. Der Campingplatz Grinsby liegt direkt am Seeufer inmitten skandinavischer Wildnis. Die nächste größere Stadt ist Arjäng.

Nach einer kurzen Erkundung des Camp-Geländes und seiner natürlichen Umgebung beginnen wir sofort mit dem Aufbau des Happy Cat NEO. Da wir an unserem heimischen Gewässer, der Krombachtalsperre im Hohen Westerwald, den neuen Luftkat schon mal auf- und abgebaut haben, sind wir bereits darin geübt. In ca. 60 Minuten haben wir den NEO aus dem Wohnwagenstaufach rausgeholt, aufgebaut und startklar am Campingplatzstrand stehen. Da wir vorhaben, mit Hunden und Gepäck zu segeln, ist es notwendig, ein zusätzliches, vorderes Trampolin zu montieren. So besteht ausreichend Platz für Mensch, Tier und Gepäck. Unsere beiden Hündinnen Luzy und Fly sind schon ganz aufgeregt. Sie haben den NEO bereits auf der Krombachtalsperre kennengelernt.

Erster Check: Wie fühlt sich Segeln in schwedischer Wildnis an?

Nun wollen wir zunächst mal eine kleine Tagestour unternehmen, um den WildnisSee, seine Anlandemöglichkeiten und das Segelboot genau kennen zu lernen. Das Wetter ist wunderbar. Die Sonne scheint und es weht ein warmer Wind mit 2-3 Bft. Wir zwängen uns in unsere Neoprenanzüge, packen Proviant und Kamera-Ausrüstung ein und dann geht es auch schon los. Unsere Hunde befinden sich auf dem vorderen Trampolin, während wir Schwert und Ruderblatt runterlassen und die Fock setzen. Dabei zeigt es sich, dass das Schwert etwas schwergängig ist, sobald Druck darauf kommt. Daher ist es ratsam, das Schwert möglichst schnell in die gewünschte Position zu bringen, ehe der Kat  in Fahrt kommt. So  gibt es mit der Bedienung keinerlei Probleme und es kann losgehen. Ab geht die Post!

Durch die neue Form der 2 Schwimmer mit konvexer Unterseite und dem sogenannten Wavepiercer-Bug, gleitet der Kat ruhig und schnell dahin. Wir segeln quer über den See, genießen die Sonne, die schöne Landschaft und haben Spaß. Es ist kein Problem, zu viert auf den zwei Trampolinen Platz zu finden, auch für unsere später benötigten Packsäcke.

Am Nachmittag frischt der Wind erheblich auf und auf den freien Flächen des Stora Bör bauen sich weiße Schaumkronen und Wellen bis zu einem halben Meter auf. Noch sitzen wir im Windschatten auf einer kleinen Pauseninsel. Doch das Camp Grinsby liegt auf der anderen Seite des Sees und da wollen wir heute bitte sehr auch wieder hin. Also los, nur Mut, mal sehen, was der Happy Cat NEO bei Starkwind  so drauf hat. Wir tasten uns auf Halbwindkurs vorsichtig aus dem Windschatten der Insel hinaus in kräftige Böen und spritzige Wellen. Wir werden ordentlich nass und sind heilfroh, dass wir warme Neopren-Long-Johns und wasserdichte Paddeljacken tragen. Die Schwimmer gleiten gut durch die Wellen hindurch. Die Gummirümpfe, das Trampolin und das Segelrigg bleiben ziemlich stabil in Form und verbiegen sich kaum. Der Happy Cat NEO bleibt auch leicht überpowert noch manövrierfähig. Auf rasantem Raumschotkurs schießen wir in der Abendsonne Richtung Camp Grinsby.

Am Ende dieses Tages ist uns klar: Der Happy Cat NEO eignet sich auch zum Gepäcksegeln. Wir können es wagen, uns auf ein mehrtägiges Segelabenteuer mit Sack und Pack auf den Dalsland-Seen einzulassen.

Segeltrekking mit Zeltgepäck

Gesagt, getan! Wir beginnen unsere spannende Tour auf dem Östra Silen, dem östlichen Einstieg in das weitläufige Dalsland-Seensystem. Die meisten Dalsland-Seen wurden einst als natürlicher Kanal für die Holzflößerei mit Schleusen verbunden.  Sie  sind heute noch funktionsfähig und werden von Schleusenwärtern für Wasserwanderer aller Art gegen Gebühr in den 3 Sommermonaten Juni, Juli und August bedient.
 
Wir packen Zelt, Luftmatratzen, Schlafsäcke, Regenausrüstung, den schwedischen Trangia-Sturmkocher, Hundefutter, Erste-Hilfe-Ausrüstung sowie Kleidung und Proviant für mehrere Tage in wasserdichte Packsäcke und Tonnen. Diese befestigen wir mit Seilen und Karabinern auf dem vorderen Trampolin, sowie an der oberen, äußeren Seite der Schwimmer. Glücklicherweise müssen wir uns um Trinkwasser auf dieser Reise keine Gedanken machen. Alle Seen der Umgebung besitzen Trinkwasserqualität.

Gewitter sorgen für Adrenalin-Kick

Wir legen am Sillebotten ab. Unser Auto bleibt hier auf einem Parkgelände zurück. Das Segelabenteuer beginnt.

Bereits nach zwei Stunden verschwindet die Sonne hinter dunklen Gewitterwolken. Der leichte Schönwetterwind verwandelt sich in eine steife Brise. „Wir haben noch genau 10 Minuten Zeit, bis es richtig los geht!“, sagt mein Vater aufgeregt. Wir müssen raus, das ist klar! Aber wo? Links und rechts befinden sich steinige Geröllstrände. Wenn wir da rausgehen, ist die Gefahr sehr groß, dass die Schwimmer kaputt gehen. Ein Blitz zuckt über den Himmel. 20 Sekunden später donnert es. Es wird höchste Zeit, dass wir vom Wasser kommen. Mit dem hohen Segelmast ist es besonders gefährlich. 300 Meter entfernt befindet sich eine kleine Insel. „Steuer da mal drauf zu, ich glaub, da können wir raus!“, rufe ich meinem Vater zu. Mit Karacho düsen wir auf das Inselchen zu. Tatsächlich, inmitten von großen Felsbrocken befindet sich eine 3 Meter breite Steinplatte, optimal geeignet, um einen Katamaran darauf zu heben. Kaum sind wir dort und haben das Boot gesichert, prasselt ein heftiger Gewitterregen auf uns herab. Mittlerweile blitzt und donnert es gleichzeitig. Wir schnappen uns den obersten Packsack, in dem sich ein wasserdichtes Tarp, Abspannseile, Heringe und ein Hammer befinden. Zusammen mit den Hunden ziehen wir uns ins Inselinnere zurück. Wir hocken uns auf einen großen Stein und hängen das Tarp über unsere Köpfe. Lucy und Fly haben Angst vor Gewitter und liegen zusammengekauert an unseren Füßen. Mein Vater und ich schauen uns an und grinsen. „Na, dat is dann wohl  mal wieder eine richtige Kassel-Tour, wat?!“, meint mein Vater. Währenddessen ist er damit beschäftigt, das ganze Geschehen  mit der Videokamera festzuhalten.

Nachdem das Gewitter abgezogen ist, kommt nur noch ein kräftiger Regen vom Himmel herunter. Der Wind ist eingeschlafen. An ein Weitersegeln ist heute nicht mehr zu denken. Nun heißt es, ein wasserdichtes Lager für den Abend und die Nacht zu errichten.

Nach anderthalb Stunden ist das Boot entladen, Zelt und Tarp sind aufgebaut und eingerichtet. Am Rande des Tarps lodert ein kleines Lagerfeuer, an dem bereits unsere nassen Neoprenanzüge trocknen. Während ich uns auf dem Trangia-Sturmkocher aus Tütennahrung ein warmes Abendessen koche, studiert mein Vater die Dalsland-Karte und entwirft eine Grobplanung für die nächsten Tage.

Schleusen sind prima, wenn man die Betriebszeiten kennt

Nachdem wir tags zuvor in Krokfors vom Östra Silen  in den Västra Silen geschleust sind, wollen wir heute durch eine weitere Schleuse in den Lelang gelangen. Die Schleusen werden von Schleusenwärtern bedient und haben nur in der Paddelsaison in den Sommermonaten geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten muss man die Schleusen umtragen. In der Regel zahlt man für das Durchschleusen zwischen 3 und 5 Euro pro Boot.

Tatendurstig wie wir sind, brechen wir früh auf und stehen bereits um 10.00 Uhr vor der Schleuse Gustafsfors. Auf einem großen Schild stehen die Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10.00 – 12.00 Uhr und 14.00 – 18.00 Uhr; Samstag 12.00 – 18.00; Sonntag 14.00 – 16.00 Uhr. Na toll, heute ist Samstag! Und jetzt? 2 Stunden Bauklötze staunen, oder was? Nix da, jetzt wird angepackt! Wir legen an und lösen die Seile, mit denen das Gepäck verschnürt ist. Nun schleppen wir Sack für Sack zur Anlegestelle im Lelang auf der anderen Seite der Schleuse.

Zu guter Letzt muss nur noch der leere Gummikat zum Lelang geschafft werden. Hierbei bewähren sich nun das Leichtgewicht und die Slip-Räder. Diese können bei Bedarf in vorgesehene Halterungen am Heck eingeschoben und arretiert werden. Dieses System ermöglicht es bei Trekkingtouren mit dem Happy Cat NEO wie mit einer überdimensionalen „Schubkarre“ auch über Land in einen anderen See zu gelangen. Anschließend wird der NEO wieder beladen und weiter geht es.

Hund über Bord

Gegen Abend sind wir wie üblich auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz für die Nacht. Wir lassen uns bei dieser Tour von Wind und Wetter treiben. Wir wissen morgens nicht, wo wir abends wieder das Zelt aufschlagen.  Unsere segeltaugliche Hündin Luzy ist bereits ungeduldig und stößt hohe Fiepslaute aus. Unruhig zappelt sie auf dem vorderen Trampolin rum. Sie wittert Wild und wird ganz aufgeregt. Sie steht an der vordersten Spitze eines Schwimmers und reckt die Nase in den Wind. Just in dem Moment wird unser Boot von einer Windböe erfasst und ruckartig beschleunigt. Luzy verliert das Gleichgewicht und rutscht mit einem „Platsch“ ins Wasser, während wir in zügiger Fahrt weiter segeln. Ruck zuck sind wir etliche Meter von Luzy entfernt. Doch sie ist eine gute Schwimmerin und paddelt zielstrebig hinter uns her. Wir wenden so schnell wie möglich und steuern auf Luzy zu. Bei ihr angelangt, ziehe ich sie an Vorderpfoten und Halsband wieder hinauf aufs Trampolin. Sie schüttelt sich heftig und verpasst uns dabei eine ordentliche Dusche. Es ist nochmal gut gegangen. Wenn Wind und Wellen stärker sind, verpassen wir unseren Hunden orangefarbene Schwimmwesten.

Hundefutter & Vanille-Eis aus dem Lanthandel

Nach einer Woche  herrlich ungebundenen Herumstreunens meist unter Segeln machen wir uns wieder auf den Rückweg. Das bedeutet, wir müssen wieder vom Lelang in den Västra Silen und anschließend in den Östra Silen. Wir werden also vermutlich noch weitere 2 bis 3 Tage unterwegs sein. Beim Segeltrekking ist eine exakte Zeitplanung nicht möglich. Für uns selbst haben wir noch mehr als genug Essen, nur das Hundefutter wird langsam knapp. An der Schleuse Gustavsfors, die zwischen dem Lelang und dem Västra Silen liegt, gibt es eine Gaststätte und einen Lanthandel, wie in Schweden kleine Supermärkte genannt werden. Wir beschließen, dort für die Rückfahrt unseren Vorrat an Hundefutter aufzubessern. Wir legen also im strömenden Regen am Bootssteg der Schleuse an und machen uns samt unseren Hunden auf den Weg zum Supermarkt.

Luzy und Fly, die jetzt seit einer Woche nur die Freiheit der schwedischen Insel-Wildnis gewöhnt sind, ziehen wie verrückt an ihren Leinen. Sie können nicht verstehen, warum sie auf einer Straße nicht auch einfach frei herumlaufen können. Wir geben schon ein ungewöhnliches Bild ab, wie wir so in unseren orangefarbenen Paddeljacken, roten Schwimmwesten, quietschgelben Gummistiefeln und zwei verstrubelten Hunden pudelnass Richtung Supermarkt latschen. Aber die Einheimischen sind Gestalten wie uns gewohnt. Hier ziehen durch das Schleusen-Nadelöhr in den Sommermonaten zahlreiche Wasser-Vagabunden durch, die neuen Proviant brauchen.

Mein Vater wartet mit den Hunden vorm Lanthandel, während ich einkaufe. Natürlich kann ich bei all den Leckereien im Supermarkt nicht widerstehen und kaufe mehr als nur Hundefutter ein. Unter anderem entdecke ich in der Gefriertruhe Vanilleeis in Spekulatiuskeks. Da muss ich doch gleich mal zwei von mitgehen lassen. So machen wir uns genüsslich Eis schleckend wieder auf den Rückweg. Der weihnachtliche Geschmack der Eiskekse passt zum Wetter und den Temperaturen. Ein heißer Kaffee würde jetzt gut kommen. Allerdings ist es erst elf Uhr und die Gaststätte sieht noch zu aus. Trotzdem teste ich, ob die Tür verschlossen ist. Sie ist offen. Allerdings teilt mir die Wirtin in gebrochenem Englisch mit, dass sie erst ab zwölf Uhr geöffnet haben. Aber dann meint sie freundlich lächelnd, einen Kaffee könne sie uns schon machen. Und so kehren wir mit heißem Kaffee in Pappbechern zu unserem Trekking-Boot zurück.

In der Schleuse Gustavsfors sind wir das einzige Segelboot unter Paddlern aus aller Welt. Da es denn ganzen Tag weiter regnet und dabei weitgehend windstill ist, legen wir den Großteil der Strecke heute paddelnd zurück. Doch auch das ist kein Problem. Dank der Einrasthalterung, mit der das Steuer in einer bestimmten Haltung zu fixieren ist, ist es gut möglich den Happy Cat NEO effektiv zu zweit zu paddeln.

Das dicke Ende kommt nach

2 Tage später befinden sich nur noch 10 Kilometer zwischen uns und unserem Auto. Die vergangenen beiden Tage waren herrlich sonnig und sommerlich warm. Wir sind gemütlich dahin gebummelt und haben viele Badepausen eingelegt. Doch heute weht plötzlich ein starker Wind mit Böen bis zu 6 Bft, also eindeutig zu viel für unser kleines Segelboot. Außerdem regnet es heftig. Manchmal fliegen die Wassertropfen waagerecht durch die Luft. Selbst mit unserem Festrumpfkatamaran an unserem heimischen See wäre ein solcher Wind nah an der Grenze des für uns Segelbaren. Doch wir haben keine Wahl, wir müssen zurück! In zwei Tagen fängt die Schule wieder an. Zuhause muss ich dann im Rahmen meines Studiums in ein  5-wöchiges Schulpraktikum starten.

Also wie stellen wir das am geschicktesten an, ohne das Boot und uns zu ruinieren?! Alles Gepäck wird heute doppelt gesichert und wir ziehen uns alles an, was wir zum Segeln haben: Neopren-Lohn-John, Neopren-Schuhe, Thermo-Unterhemden, Paddeljacken, Schwimmwesten, Pudelmützen. Dann wagen wir uns hinein in die schäumende See. Der Wind kommt genau aus der Richtung, in der unser Auto steht, wir müssen also kreuzen. Die einzige Chance, die wir haben, ist Windschatten-Segeln. Den notwendigen Windschatten liefern uns kleine Inseln und Halbinseln. Doch immer wieder müssen wir kurzzeitig mit höchster Konzentration hinein in den Starkwind und mit vollem Einsatz blitzschnell um die Spitzen der Inseln und Halbinseln herum segeln, um wieder in den Windschatten der nächsten zu gelangen. Stück für Stück kämpfen wir uns vor, immer mit der Angst, Mast- und Schotbruch zu erleiden.  Sobald wir an der Spitze einer Halbinsel in die heftigen Böen und Schaumkronenwellen  hinein kommen, öffnen wir das Großsegel sehr weit. Es knattert, scheppert und schaukelt. Unsere vom Spritzwasser durchnässten Hunde zittern und jaulen. Wir müssen brüllen, um uns gegenseitig zu verstehen. Die Sache ist ernst. In solchen Situationen, in denen ein Kat überpowert ist, wird es immer schwer, um die Wende zu kommen. Wir können das Großsegel nicht so dicht holen, dass es uns rumdrückt. Das einzige, was hilft, ist die Fog back zu halten, damit wir vorne rumgedrückt werden. Wir sind jedes Mal erleichtert, wenn wir eine weitere Halbinsel umrundet haben.

Nach 5 Stunden Kampf gegen Wellen und Wind erreichen wir unser Auto. Wir sind erschöpft, aber auch glücklich und zufrieden. Das ist genau das, was unser Leben spannend macht: in der Natur unterwegs zu sein, ohne überflüssigen Luxus und aus eigener Kraft selbstgesteckte Ziele zu erreichen.

Nach zwei Stunden ist unser Gepäck wieder in Auto und Wohnwagen verladen. Natürlich ist alles nass, doch zuhause werden wir die ganze Ausrüstung zum Trocknen ausbreiten, damit nichts schimmelt.

Bald befinden wir uns auf der Autobahn und düsen wieder Richtung Heimat. Dieser Urlaub war Klasse! Wir sind uns bereits jetzt schon sicher, dass wir nächsten Sommer hierher zurückkehren und unser Segelprojekt fortsetzen werden.